Kreativ Socken stopfen mit Sarah von @ein_koffer_voll_wolle

21. Januar 2022 | Gründl | Handarbeiten
Was früher mal ein Loch war, wird von Sarah in ein ein filigranes Kunstwerk verwandelt. Ganz egal, ob Pullover, Hosen oder Socken – die von ihr reparierten Textilien sehen aus wie neu und strahlen zudem einen unverkennbaren Charme aus. Auf Ihrem kreativen Instagram-Account @ein_koffer_voll_wolle teilt Sarah viele beeindruckende DIY-Projekte. Von gestrickten Accessoires wie Mützen, Handschuhe, Socken und vielem mehr bis hin zu wunderbaren Stopf-Techniken – sie legt damit den Fokus nicht nur auf Nachhaltigkeit und Minimalismus, auch sozialen Themen widmet sie sich mit vollem Engagement. Wir sind fasziniert von ihren Werken und ihrem wertvollen Content und wollten von ihr alles rund um das Thema Mending wissen. Wie sie zu ihrem Account gekommen ist und was ein Wollkoffer damit zu tun hat, könnt ihr in diesem Blogartikel nachlesen. Zusätzlich warten jede Menge Tipps zum Socken stopfen auf dich, damit du gleich damit loslegen kannst, deinen Textilien neues Leben einzuhauchen.

Liebe Sarah, auf Instagram kennt man dich als @ein_koffer_voll_wolle. Wie bist du zu deinem Instagram-Namen gekommen?

Ich habe 2015 die Wohnung einer nahestehenden Person aufgelöst und bei ihr einen Koffer voll mit Wolle gefunden. Da die Wolle zu schön war, um sie wegzuwerfen, habe ich gegoogelt, was man damit anfangen könnte und bin auf die Berliner Initiative HelfenWOLLEN gestoßen. HelfenWOLLEN sammelt gestrickte und gehäkelte Sachen und verteilt sie an obdachlose Menschen. Da ich als Kind Häkeln gelernt hatte, habe ich dann angefangen, Mützen und Schals zu häkeln (später auch zu stricken) und zu spenden. Der Schritt, meine Werke auf Instagram zu zeigen, war dann nicht mehr weit und der Name „Ein Koffer Voll Wolle“ einfach die logische Schlussfolgerung aus der Herkunft der Wolle, mit der ich anfangs gehäkelt habe.

Was können deine Follower:innen von deinem Account erwarten?

Zu sehen gibt es bei mir Gestricktes, Gehäkeltes und Gestopftes. Ich stricke sehr viele Spendenstücke aus gespendeter Wolle für obdachlose Menschen, aber natürlich auch Sachen für mich selbst, meine Familie und Freunde. Zu lesen gibt es bei mir neben den üblichen Strickgedanken auch Beiträge über ernste Themen wie Obdachlosigkeit, Nachhaltigkeit und FastFashion.

Erzähl doch mal etwas über dich, wer steckt hinter @ein_koffer_voll_wolle

Ich bin Anfang 40 und wohne in Berlin. Ich habe Englisch und Japanisch studiert und bin seit gut 10 Jahren freiberufliche Übersetzerin. Ich übersetze hauptsächlich Filme und Serien, aber auch Texte für Outdoor-Bekleidungsmarken. Als Kind habe ich häkeln gelernt, es dann aber wieder gelassen. Erst nachdem ich auf den Wollkoffer gestoßen war, habe ich die Häkelnadel wieder zur Hand genommen und mir dann kurze Zeit später mithilfe von YouTube das Stricken beigebracht. Wenn ich nicht stricke, stopfe oder häkele, fotografiere und lese ich sehr gerne.

Auf deinem Account dreht sich auch vieles um das Reparieren von Kleidungsstücken. Du gibst tolle Tipps und Ideen, wie bist du dazu gekommen dieses Thema aufzugreifen?

Ich bin 2010 über amerikanische Blogs auf das Thema Minimalismus gestoßen und habe angefangen, die Prioritäten in meinem Leben zu überdenken und in meiner Wohnung auszumisten. Vom allgemeinen Konsum weitete sich das Thema dann auf Plastik in meinem Alltag aus. Seit ich gelernt habe, wie schädlich Plastik für unsere Gesundheit und die Erde ist, vermeide ich es wenn möglich, Kleidung mit Polyester zu kaufen. Irgendwann habe ich schließlich ganz aufgehört, bei Fast-Fashion-Marken einzukaufen. Das hat natürlich auch ein Umdenken erfordert, wie viel ich überhaupt an Kleidung kaufe, denn nachhaltige Mode ist meist teurer, wenn es nicht gerade Second-Hand-Kleidung ist. Und wenn ich nicht so viel kaufen kann und will, dann muss ich mich um die Kleidung, die ich bereits besitze, gut kümmern. Und so kam ich schließlich zum Reparieren und Stopfen.
Für mich als Freiberuflerin ist natürlich auch der Aspekt des Geldes wichtig: Jedes T-Shirt, das ich nicht neu kaufen muss, jeder Euro, den ich nicht ausgebe, ist ein Euro, den ich nicht verdienen muss. Umso geringer meine Ausgaben sind, umso weniger muss ich arbeiten und kann andere Prioritäten setzen – da schließt sich dann wieder der Kreis zum Minimalismus, der alles ins Rollen gebracht hat.

Socken stopfen, wie geht das? Wie gehst du beim Socken Stopfen vor? Welche Materialien werden benötigt? Kannst du das in ein paar einfachen Schritten erklären?

Es gibt unzählige Möglichkeiten zu stopfen und obwohl es eine an sich einfache Tätigkeit ist, muss jede:r die Vorgehensweise finden, die zu ihr:ihm passt. Bei mir dauert es manchmal ein paar Tage und mehrmaliges Begutachten, bis ich weiß, wie ich eine Socke stopfe – und manchmal geht es wiederum ganz schnell. Das hängt immer davon ab, ob ich sichtbar stopfe oder eher eine unsichtbare Reparatur gewünscht ist. Dann schaue ich, ob vielleicht noch dünne Fäden vorhanden sind, die nur verstärkt werden müssen oder ob es schon ein richtiges Loch ist, das geschlossen werden muss. Und dann lege ich einfach los. Eine Nadel, etwas Garn – das ist im Grunde alles, was man braucht.

Gibt es unterschiedliche Techniken, die bei bestimmten Löchern eingesetzt werden? (Ferse, Zeh, Schaft)

Ich richte mich beim Stopfen weniger nach der Stelle, an der ich stopfe, sondern mehr nach dem Material, das gestopft werden muss. Bei gestrickter Kleidung oder Wollsocken verwende ich am liebsten den Maschenstich, denn er ist schön elastisch und fügt sich ins Maschenbild ein. Bei Löchern in gekauften Sportsocken benutze ich oft die Webtechnik, die schnell und unkompliziert ist. Und bei einem Loch in einem T-Shirt greife ich gerne auf Sticktechniken zurück oder arbeite mit Flicken. Generell ist es am besten, mit möglichst ähnlichem Material zu stopfen und zu reparieren, also zum Beispiel Wolle mit Wolle, Jersey mit Jersey, Seide mit Seide.

Was empfiehlst du Anfängern, die noch nie ein Loch gestopft haben?

Ich sage immer: Einfach probieren. Ein Kleidungsstück mit Loch liegt ja meist ungetragen zuhause herum. Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Dass es nach der versuchten Reparatur immer noch zuhause herumliegt. Und dann hat man im Grunde nichts verloren. Vielleicht sollte man sich am Anfang nicht gleich am Lieblingspulli versuchen, aber Löcher in Socken sind gute Übungsstücke. Wenn da etwas schiefgeht, ist es meist nicht so tragisch, denn es sieht eh kaum jemand. Außerdem würde ich den Tipp geben, sich nicht so viele Gedanken über die perfekte Nadel oder den richtigen Stopfpilz zu machen. Im ersten halben Jahr hatte ich eine einzige alte Nähnadel, ein paar alte Stopfgarne von meiner Oma und ein Spielzeug meiner Nichte als „Stopfpilz“. Damit lässt sich schon sehr viel anfangen. Die erste Reparatur wird vielleicht nicht perfekt. Vielleicht hält sie auch nicht sehr lange. Aber mit jedem gestopften Loch lernt man dazu und wird besser.

Ein absolutes Trendthema aktuell ist auch “Visible Mending” – was ist visible Mending für dich und wie kann man das aufs Socken Stopfen übertragen?

Ich mag Visible Mending, also sichtbares Stopfen, sehr! Wenn ich möglichst unsichtbar reparieren will, ist das Hauptproblem ja meist, das Garn in der passenden Farbe zu finden. Wenn nicht gerade noch ein Rest der ursprünglichen Wolle vorhanden ist, kann die Suche nach dem Garn schon mal länger dauern als das eigentliche Reparieren. Beim Visible Mending hingegen entfällt dieses Problem – ich suche einfach ein Garn, das mir in Kombination mit dem Socken gut gefällt. Außerdem kann ich dann Motive wie ein Herz stopfen. Visible Mending lässt einfach sehr viel Kreativität zu. Gesellschaftlich finde ich beim Visible Mending schön, dass es ein wenig das Stigma auflöst, Stopfen wäre etwas, das man verstecken muss. Früher war Stopfen meist ein Zeichen dafür, dass sich jemand neue Kleidung nicht leisten konnte. Die sichtbare Reparatur wird heute fast zu einem Symbol, mit dem ich zeigen will: Ich stopfe, weil mir meine Kleidung und die Ressourcen es wert sind, weil mir meine Umwelt wichtig ist. Das finde ich wundervoll.

Wir finden: Das Socken Stopfen bietet nicht nur einen Mehrwert in Sachen Nachhaltigkeit, es hat auch eine beruhigende, fast schon meditative Wirkung. In ihrem Youtube–Video zeigt dir Sarah wie man Socken richtig stopft.


Vielen herzlichen Dank, liebe Sarah, für deinen wertvollen und inspirierenden Gedankenanstoß. Wir haben uns schon Nadel und Stopfgarn geschnappt und fangen direkt an zu üben.
Für alle, die noch auf der Suche nach dem passenden Garn sind: In unserem Onlineshop warten jede Menge Qualitäten und Farben auf dich, mit denen sicherlich viele Löcher verschönert werden können.

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